Unfälle durch Technik, Beladung und Alkohol
Nicht jeder Unfall beginnt mit einem Seemannschaftsfehler. Manchmal führen Technik, Umbauten, Beladung oder Alkohol zu gefährlichen Lagen. Diese Fälle zeigen, worauf man achten sollte.
Angelfahrt mit dem Motorboot: Wasser im Boot unbemerkt
Sechs Personen fuhren zum Dorschangeln vor Rügen. Nur der Eigner hatte Motorbooterfahrung, eine Einweisung gab es nicht, Rettungswesten trug niemand. Die meisten Angler standen auf einer Seite in der Plicht, das Boot krängte. Über eine nachträglich vom Eigner in die Bordwand geschnittene Lenzöffnung, die nur eine Gummilippe verschloss, lief unbemerkt Wasser ein. Zusätzlich drang Wasser über die Plattform am Heck in den Motorraum. Die Hecklastigkeit bemerkte man erst nach einer Stunde. Die Bordelektrik war da bereits ausgefallen und der Motor nicht mehr startbar. Das Boot kenterte. Alle wurden gerettet. Danach baute der Eigner eine Rettungsinsel ein und versah die Lenzöffnungen mit verschließbaren Ventilen.
- Gewicht gleichmäßig verteilen. Bei einseitiger Belastung krängt das Boot, und unbemerkt kann Wasser einströmen.
- Öffnungen unter der Wasserlinie oder knapp darüber mit verschließbaren Ventilen sichern, nie nur mit einer Gummilippe.
- Regelmäßig in die Bilge und den Motorraum schauen. Ein Bilgenalarm und eine funktionierende Lenzpumpe helfen.
- Sicherheitseinweisung auch für Gäste, Weste tragen, Rettungsinsel oder ein anderes Rettungsmittel an Bord.
- Wer nur aufs Angeln schaut, bemerkt Hecklastigkeit zu spät. Jemand muss die Lage im Boot beobachten.
Brand im Maschinenraum und Untergang
Eine Motoryacht mit einem Ehepaar an Bord meldete Rauch im Maschinenraum. Nach dem Abstellen der Motoren kam es zu einem Wassereinbruch, den die Lenzpumpen nicht bewältigten. Das Paar stieg auf eine herbeigerufene Segelyacht um, die Yacht füllte sich mit Wasser und wurde später verschrottet. Hauptursache war eine fehlende Überwachung des Kühlwasserdurchflusses beziehungsweise der Abgastemperatur hinter der Wassereinspritzung. Den Untergang begünstigten eine Abgasleitung ohne Schwanenhals oder Rückschlagklappe und ein fehlender Bilgenalarm.
- Kühlwasserüberwachung und Bilgenalarm nachrüsten, sie sind technisch einfach und bringen Sicherheitsgewinn.
- Abgasleitung mit Schwanenhals oder Rückschlagklappe ausführen, damit kein Wasser in den Motor läuft.
- Bei Rauch sofort Motoren stoppen, Löschmittel bereithalten, Notruf absetzen und die Crew sammeln. Die Rettungsmittel griffbereit haben.
- Schwimmweste anlegen und früh Hilfe rufen, bevor die Lage kippt.
Nach diesen Fällen soll eine geplante Änderung der Brandschutznorm bei allen kleinen Wasserfahrzeugen eine Kontrolle des Kühlwasserflusses vorschreiben.
Alkohol am Ruder: Aufgelaufen vor der Hafeneinfahrt
Der einzige Mann an Bord einer 12 Meter langen Motoryacht lief auf einen Leitdamm vor einer Inselhafeneinfahrt auf. Das Ruderanschlagslager drückte ein Loch etwa einen halben Meter unter der Wasserlinie ins Boot, der Wassereinbruch ließ sich mit Bordmitteln nicht stoppen. Seenotkreuzer hielten die Yacht schwimmfähig und brachten sie in den Hafen. Der Bootsführer war so stark alkoholisiert, dass er als absolut fahruntüchtig galt (über 1,1 Promille).
- Kein Alkohol vor und während der Fahrt. Die Grenze der absoluten Fahruntüchtigkeit liegt bei 1,1 Promille, schon weniger beeinträchtigt die Fahrt.
- Hafeneinfahrten, Leitdämme und Tiefen vorher in der Karte prüfen.
- Allein an Bord: besonders vorsichtig einlaufen und ruhig bleiben.
Jollenkreuzer gekentert und gesunken
Ein Jollenkreuzer kenterte bei einer Böe und versank in etwa 20 Meter Wassertiefe. Die beiden Segler wurden von einer anderen Yacht unverletzt gerettet. Dabei fiel auf, dass Boote dieser Art häufig in Revieren gefahren werden, für die sie gar nicht vorgesehen sind.
- Das Boot muss für die geplante Reise konstruktiv geeignet und ausgerüstet sein.
- Nur mit qualifizierter Crew auslaufen. Auf Böen vorbereitet sein und rechtzeitig reffen.
- Weste tragen und wissen, wie man ein gekentertes Boot aufrichtet oder verlässt.
Schlusssatz: Zehn Fragen vor jedem Auslaufen
- Ist das Boot für diese Fahrt geeignet und ausgerüstet?
- Ist die Crew eingewiesen, gibt es Notrollen und einen Stellvertreter?
- Trägt jeder eine Weste, und sind Lifelines und Einpickpunkte vorhanden?
- Sind Wiedereinstieg und Rettungsmittel einsatzbereit und geübt?
- Passt das Wetter zu Boot und Crew, auch wenn es umschlägt?
- Kenne ich Reviergefahren wie Seegat, Reede, Sperrgebiete, Tide?
- Sind Funk, AIS, Radar und Notsender funktionsfähig?
- Sind Öffnungen gesichert, Bilge trocken, Motor kontrolliert?
- Wer hält Ausguck, wer steuert, wer funkt?
- Bin ich nüchtern und ausgeruht?
