Nautik-Trainer

Unfälle durch Autopilot, fehlenden Ausguck und Nebel

Viele Kollisionen und Grundberührungen entstehen nicht durch Technik, sondern durch fehlenden Ausguck, Ablenkung und blindes Vertrauen in Automaten. Die Fälle zeigen typische Muster.

Autopilot und Patenthalse

Fall: Tödlicher Unfall durch Patenthalse

Bei achterlichem Wind fiel eine Segelyacht plötzlich ab, der Baum schlug über. Beim Passieren des Gefahrenbereichs der Großschot kam eine Person ums Leben. Vermutlich war der Autopilot nicht richtig aktiviert oder die Yacht wurde von einer Winddrehung überrascht. Ein Bullenstander war nicht gesetzt, und das Ruder war gerade unbesetzt, weil man die Cockpitscheibe reinigen wollte.

Fall: Motoryacht fährt mit Autopilot auf eine Kaimauer

Eine Motoryacht mit sechs Personen fuhr in einem stark befahrenen Hafenbereich auf einen Kai zu, als das Mobiltelefon des Skippers vom Steuerpult fiel. Reflexartig schaltete er den Autopiloten ein, um es aufzuheben. Danach ließ sich der Autopilot nicht mehr abschalten: Fernbedienung ohne Wirkung, das Bedienelement schlecht erreichbar, im Sicherungskasten fand er nicht schnell die richtige Sicherung. Die Yacht prallte mit etwa 7–9 Knoten gegen die Kaimauer, eine Passagierin wurde am Kopf verletzt, der Skipper leicht verletzt. Später ließ sich das Ruder wegen des noch aktiven Autopiloten und der gebrochenen Steuersäule nicht bedienen. Er warf einen Anker und setzte eine Rettungsinsel aus.

Weitere Fälle mit Autopilot: Nord-Ostsee-Kanal, Pinnenpilot, Dalben

Regeln für den Autopiloten

Nebel, Radar und Funk nicht genutzt

Bei einem Ausbildungstörn für den Sportküstenschifferschein verschlechterte sich im Bereich der Molen von Warnemünde plötzlich die Sicht. Radar und UKW waren an Bord, wurden aber kaum genutzt. Es folgten zwei Beinahekollisionen (mit einer einlaufenden Fähre und einer anderen Yacht) und später eine Grundberührung wenige hundert Meter vor der Mole. Der Bootsführer war erfahren. Trotzdem fehlten Reiseplanung, Positionskontrolle und ein durchgehend geführtes Logbuch.

Ausguck auf Regatten und in der Kieler Förde

Während einer Regatta drehte eine Segelyacht in den Kurs einer Fähre. Die Crew hatte die herannahende Fähre nicht beachtet, der Fährkapitän stand allein auf der Brücke und hielt die Lage für ungefährlich. Ein Stoppmanöver reichte nicht, die Fähre rammte die Yacht am Vorschiff. Die Crew stieg noch auf ein Schlauchboot um, dann sank die Yacht.

Schnelle Motoryacht und Windsurfer

Eine 22 Meter lange Motoryacht erhöhte innerhalb von vier Minuten die Geschwindigkeit von etwa 17 auf über 38 Knoten und rammte etwa einen Kilometer vor der Küste einen Windsurfer. Der Surfer wurde am Kopf und an beiden Beinen erheblich verletzt. Die Sicht vom Steuerstand war stark eingeschränkt (Sichtblockaden 52–64° statt höchstens 30°). Der Ausguck hielt sich im Salon auf.

Ausguck ist kein Zusatz, sondern Daueraufgabe – mit Autopilot, im Rennen, bei Nebel, auch auf schnellen Motorbooten.