Unfälle durch Autopilot, fehlenden Ausguck und Nebel
Viele Kollisionen und Grundberührungen entstehen nicht durch Technik, sondern durch fehlenden Ausguck, Ablenkung und blindes Vertrauen in Automaten. Die Fälle zeigen typische Muster.
Autopilot und Patenthalse
Fall: Tödlicher Unfall durch Patenthalse
Bei achterlichem Wind fiel eine Segelyacht plötzlich ab, der Baum schlug über. Beim Passieren des Gefahrenbereichs der Großschot kam eine Person ums Leben. Vermutlich war der Autopilot nicht richtig aktiviert oder die Yacht wurde von einer Winddrehung überrascht. Ein Bullenstander war nicht gesetzt, und das Ruder war gerade unbesetzt, weil man die Cockpitscheibe reinigen wollte.
- Bullenstander bei achterlichem Wind setzen. Er verhindert das plötzliche Überschlagen des Baums.
- Den Schwenkbereich von Baum und Schot möglichst meiden.
- Beim Einschalten des Autopiloten sicherstellen, dass er wirklich aktiv ist. Das Steuerverhalten mehrere Minuten beobachten, bevor man das Steuer verlässt.
- Bei anspruchsvollen Windverhältnissen lieber von Hand steuern.
- Aufgaben verteilen: Steuer besetzt lassen, Nebenarbeiten an andere geben.
Fall: Motoryacht fährt mit Autopilot auf eine Kaimauer
Eine Motoryacht mit sechs Personen fuhr in einem stark befahrenen Hafenbereich auf einen Kai zu, als das Mobiltelefon des Skippers vom Steuerpult fiel. Reflexartig schaltete er den Autopiloten ein, um es aufzuheben. Danach ließ sich der Autopilot nicht mehr abschalten: Fernbedienung ohne Wirkung, das Bedienelement schlecht erreichbar, im Sicherungskasten fand er nicht schnell die richtige Sicherung. Die Yacht prallte mit etwa 7–9 Knoten gegen die Kaimauer, eine Passagierin wurde am Kopf verletzt, der Skipper leicht verletzt. Später ließ sich das Ruder wegen des noch aktiven Autopiloten und der gebrochenen Steuersäule nicht bedienen. Er warf einen Anker und setzte eine Rettungsinsel aus.
- Lose Gegenstände sichern (Handy, Tasse, Karte). Ein rutschendes Handy darf nie zum Auslöser werden.
- Autopilot nicht in vielbefahrenen Revieren nahe an Kaimauern einschalten.
- Jeder Steuermann muss wissen, wie man den Autopiloten sofort abschaltet und auf Handsteuerung umstellt – auch bei Systemausfall.
- Bei Kontrollverlust sofort Fahrt wegnehmen, nicht zögern. Wer früher und entschlossener bremst, mindert die Folgen deutlich.
- Fernbedienungen auf Ladezustand prüfen.
Weitere Fälle mit Autopilot: Nord-Ostsee-Kanal, Pinnenpilot, Dalben
- Auf dem Nord-Ostsee-Kanal verlässt ein allein segelnder Skipper das Cockpit. Die Yacht kollidiert mit einem Forschungsschiff. Einhandsegler sollten in der Reisevorbereitung kurze Stopps einplanen, denn ein Kanalgang dauert lang. Autopiloten sind dort für Sportboote grundsätzlich nicht erlaubt.
- Ein Pinnenpilot lenkte eine Yacht zu dicht an ein festliegendes Binnenschiff, weil der Kompass durch große Stahlmassen abgelenkt wurde. Die Mitseglerin hätte Bootshaken oder Steuern übernehmen können, doch der Skipper delegierte nicht.
- Eine Segelyacht fuhr auf einen Dalben, weil der Skipper das Cockpit verließ, um Leinen klarzumachen, und die Sensorik des Autopiloten gestört war. Wäre das Steuer besetzt geblieben, wäre nichts passiert.
Regeln für den Autopiloten
- Ausguck immer sicherstellen, auch mit Autopilot.
- Je enger das Gewässer, desto schneller muss jemand auf Handsteuerung wechseln können.
- Stahlmassen (andere Schiffe), Kabel und Brücken können den Kompass stark ablenken und heftige Kursänderungen auslösen.
- Auf Segelyachten bei achterlichem Wind nur mit äußerster Vorsicht und idealerweise zusätzlich mit Bullenstander.
- Segel erst trimmen, dann den Autopiloten einschalten.
- Technische Grenzen des Systems, Kalibrierung und Einstellungen kennen. Software regelmäßig aktualisieren.
- In Situationen, die schnelles, konzentriertes Steuern verlangen, den Autopiloten ausschalten.
Nebel, Radar und Funk nicht genutzt
Bei einem Ausbildungstörn für den Sportküstenschifferschein verschlechterte sich im Bereich der Molen von Warnemünde plötzlich die Sicht. Radar und UKW waren an Bord, wurden aber kaum genutzt. Es folgten zwei Beinahekollisionen (mit einer einlaufenden Fähre und einer anderen Yacht) und später eine Grundberührung wenige hundert Meter vor der Mole. Der Bootsführer war erfahren. Trotzdem fehlten Reiseplanung, Positionskontrolle und ein durchgehend geführtes Logbuch.
- Vor dem Auslaufen: Wetter, Sicht und Verkehr einschätzen. Radar, Funk und Plotter einschalten und nutzen.
- Bei verminderter Sicht langsam fahren, Nebelsignale geben, Verkehrsfunk hören.
- Fahrwasser nur queren, wenn man die Verkehrslage kennt.
- Logbuch führen und Position regelmäßig kontrollieren, auch beim Einlaufen mit Motor.
Ausguck auf Regatten und in der Kieler Förde
Während einer Regatta drehte eine Segelyacht in den Kurs einer Fähre. Die Crew hatte die herannahende Fähre nicht beachtet, der Fährkapitän stand allein auf der Brücke und hielt die Lage für ungefährlich. Ein Stoppmanöver reichte nicht, die Fähre rammte die Yacht am Vorschiff. Die Crew stieg noch auf ein Schlauchboot um, dann sank die Yacht.
- Regattafahrer bleiben Verkehrsteilnehmer: Auch im Rennen gilt der Ausguck.
- Nicht auf geringste Passierabstände zu großen Fahrzeugen vertrauen. Sie brauchen lange, um anzuhalten oder auszuweichen.
- Bei Veranstaltungen prüfen, welche Auflagen gelten, und Absicherung durch die Veranstalter beachten.
Schnelle Motoryacht und Windsurfer
Eine 22 Meter lange Motoryacht erhöhte innerhalb von vier Minuten die Geschwindigkeit von etwa 17 auf über 38 Knoten und rammte etwa einen Kilometer vor der Küste einen Windsurfer. Der Surfer wurde am Kopf und an beiden Beinen erheblich verletzt. Die Sicht vom Steuerstand war stark eingeschränkt (Sichtblockaden 52–64° statt höchstens 30°). Der Ausguck hielt sich im Salon auf.
- Auch wer Kurs und Fahrt beibehalten darf, muss ständig Ausguck halten und mit sicherer Geschwindigkeit fahren.
- Bei eingeschränktem Sichtfeld an der Fahrposition einen zusätzlichen Ausguck einteilen und die Geschwindigkeit anpassen.
- Auf Küstengewässern gelten teils abweichende Ausweichregeln (Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung). Nach dieser sind Segelsurfer gegenüber anderen Fahrzeugen ausweichpflichtig, nach den internationalen Regeln weichen Maschinenfahrzeuge Segelfahrzeugen aus. Wer sich nicht sicher ist, welche Regel gerade gilt, fährt vorsichtig und mit Abstand.
- Surfer und Wassersportler sollten die unterschiedlichen Regeln kennen.
