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Unfälle in den USA: Tahoe, Kohlenmonoxid, Kielverlust

Auch in den USA werden Unfälle mit Sportbooten untersucht und ausgewertet. Die dortigen Behörden (US-Küstenwache, Verkehrssicherheitsbehörde NTSB und Gesundheitsbehörde CDC) veröffentlichen ihre Berichte, Statistiken und Fotos frei. Die Lehren sind für Sportbootfahrer in Deutschland genauso nützlich.

Fallbeispiel: Kenterung im Sturm auf dem Lake Tahoe (2025)

Das gekenterte und geborgene Sportboot auf einem Trailer, Seitenansicht.
Das geborgene Boot nach dem Unfall. Foto: NTSB (gemeinfrei).

Ausgangslage: An einem Sommertag im Juni fuhr ein privat genutztes, knapp 8,5 Meter langes Sportboot mit zehn Personen über den Lake Tahoe. Das Wetter war klar, ohne Warnungen des Wetterdienstes. Am Nachmittag zogen Wolken auf, dann kamen Regen, Hagel, Wind und Wellen.

Unfall: Der Skipper wollte zurück zum Steg, drehte wegen des zunehmenden Sturms wieder um und versuchte es ein zweites Mal. Dann fiel der Motor aus, das Boot lag quer zu den Wellen. Wasser drang ein, die Crew begann zu schöpfen. Eine Person legte eine Rettungsweste an und verteilte weitere. Die anderen legten sie nicht sofort an. Kurz darauf kenterte das Boot. Es wurde kein Notruf vom Boot abgesetzt, Wanderer am Ufer riefen die Rettungskräfte. Von den zehn Personen starben acht, darunter der Skipper. Keiner der sechs vor Ort geborgenen Toten trug eine Weste. Das Wasser hatte etwa 12 °C.

An Bord fand man eine Weste und eine Kinderweste noch in der Plastikverpackung, dazu fünf aufblasbare Westen in Staufächern. Es gab keine Hinweise auf ein Leck, eine Grundberührung oder eine Kollision. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, die Ursache steht noch nicht endgültig fest.

Lehren

Fallbeispiel: Kohlenmonoxid am Heck eines Hausboots (Lake Powell, 2000)

Ausgangslage: Zwei Familien machten Urlaub auf einem Hausboot. Um die Kabine zu kühlen und den Fernseher zu betreiben, ließen sie den benzinbetriebenen Generator laufen. Dessen Abgas wurde in den Hohlraum unter der Badeplattform am Heck geleitet, die dicht über der Wasserlinie liegt.

Unfall: Etwa 15 Minuten später schwammen zwei Brüder (8 und 11 Jahre) in den Hohlraum unter der Badeplattform. Nach ein bis zwei Minuten verlor einer das Bewusstsein, der andere bekam Krämpfe und sank unter. Beide starben. Die Untersuchung ergab hohe Kohlenmonoxid-Werte im Blut: Sie waren erst vergiftet und dann ertrunken.

Schema des Hecks eines Hausboots mit Generator, Abgasauslass, Hohlraum unter der Stufe, Badeplattform und Wasserlinie.
Schema des Hecks (Originalbeschriftung englisch): Der Abgasauslass des Generators (Exhaust Outlet from Generator) mündet in den Hohlraum unter der Stufe (Compartment Under Step) nahe der Badeplattform (Swim Platform) knapp über der Wasserlinie (Water Line). Quelle: CDC/MMWR (gemeinfrei).

Was die Untersuchung ergab:

Lehren

Fallbeispiel: Regattayacht verliert den Kiel (Golf von Mexiko, 2008)

Ausgangslage: Eine Segelyacht mit sechs Personen war auf dem Weg zu einer langen Regatta von Texas nach Mexiko. An Bord waren der Skipper, vier Studierende und ein Sicherheitsbeauftragter.

Unfall: Nachts brach der etwa zwei Meter lange Kiel mit Bleibombe ab, die Yacht kenterte. Fünf der sechs Personen konnten sich retten und trieben mit Rettungswesten rund 26 Stunden im Wasser, bei Wellen von etwa 1,2 bis 1,8 Metern, bis Hubschrauber der Küstenwache sie fanden. Der Sicherheitsbeauftragte kam ums Leben.

Ergebnis der Untersuchung: Nach Ansicht der Küstenwache lag der Kielverlust wahrscheinlich an unsachgemäß reparierten Schäden früherer Grundberührungen. Die Yacht war danach nicht fachgerecht überprüft oder begutachtet worden. Die Rettungsinsel lag in der Kajüte und war damit nach den Regattaregeln falsch verstaut.

Lehren

Fallbeispiel: Gekentert, aber alle trugen Westen (Lake Michigan)

Etwa einen halben Kilometer vor dem Ufer eines Naturparks am Lake Michigan kenterte ein Boot mit vier Personen. Alle vier trugen eine Schwimmweste. Die Küstenwache konnte alle aus dem Wasser holen, niemand wurde verletzt. Der Fall wird in den USA als Beispiel dafür genutzt, dass eine getragene Weste über Leben und Tod entscheiden kann. Datum und Ursache sind in der Veröffentlichung nicht genannt.

Zwei Rettungsfälle mit Fotos

Gekentertes Segelboot im Atlantik (2008)

Luftaufnahme eines gekenterten Segelboots auf dem Atlantik.
Das gekenterte Segelboot treibt auf dem Atlantik, aufgenommen aus dem Rettungshubschrauber. Foto: U.S. Coast Guard/Petty Officer 3rd Class Mark Jones (gemeinfrei).

Ein Segler kenterte weit vor der Küste North Carolinas, etwa 100 Meilen vom Land entfernt. Er rettete sich in die Rettungsinsel und wurde nach zwei Tagen von einem Hubschrauber der Küstenwache gefunden und aufgenommen. Die Ursache der Kenterung liegt mir nicht vor. Der Fall zeigt aber, was im Ernstfall zählt:

Gekentert und nicht wieder aufgerichtet (Lake Michigan, 2014)

Ein Segler in orangefarbener Weste wird von einem Rettungsboot der Küstenwache aus dem Wasser geholt; im Hintergrund treibt das gekenterte Boot.
Ein Crewmitglied der Küstenwache holt einen Segler aus dem Wasser. Foto: U.S. Coast Guard (gemeinfrei).

Vier Segler kenterten mit ihrem Boot und schafften es nicht, es wieder aufzurichten. Ein Rettungsboot der Küstenwache nahm alle vier auf. Die Lehre: Wer ein kleines Segelboot fährt, sollte das Aufrichten vorher üben, eine Weste tragen und bei der gekenterten Yacht bleiben, solange sie schwimmt. Der Rumpf ist gut sichtbar und trägt.

Zahlen aus der Unfallstatistik der US-Küstenwache (2024)

Ein Kind in rosa Schwimmweste neben einem Mitglied der Küstenwachen-Hilfsorganisation bei einer Sicherheitsaktion.
Aktion für mehr Bootssicherheit, bei der Kindern Westen angepasst werden. Foto: U.S. Coast Guard/Petty Officer 3rd Class Paul Krug (gemeinfrei).

Die Küstenwache wertet jedes Jahr alle gemeldeten Unfälle mit Freizeitbooten aus. Für 2024 ergibt sich:

Diese Zahlen gelten für die USA und sind mit Deutschland nicht direkt vergleichbar. Sie zeigen aber das gleiche Bild wie unsere Unfallberichte: Weste, Nüchternheit, Ausbildung und Ausguck entscheiden.