Rettung aus dem Wasser, Unterkühlung und Ausrüstung
Ein Mensch im Wasser hat oft nur wenige Minuten. Diese Seite zeigt, wie der Körper im kalten Wasser reagiert, welche Rettungsmethoden sich bei praktischen Versuchen bewährt haben und welche Ausrüstung im Ernstfall hilft.
Was im kalten Wasser passiert
- Kälteschock: Direkt nach dem Sturz ins Wasser atmet man unkontrolliert schnell und tief. Das kann zum Verschlucken von Wasser führen.
- Schwimmversagen: Wenig später lassen Kraft und Koordination in Armen und Beinen nach. Greifen und Festhalten werden schwer – selbst mit einem Rettungsring.
- Unterkühlung: Bei etwa 10 °C Wassertemperatur kann eine Person ohne Schutzkleidung nur gut zehn Minuten aktiv mithelfen. Unter 35 °C Körperkerntemperatur spricht man von Unterkühlung, unter etwa 27 °C kann sie tödlich sein. Auch Wind und Spritzwasser an Deck kühlen aus und mindern die Leistung der Crew.
Eine Rettungsweste verlangsamt die Unterkühlung, hält den Kopf über Wasser und ist bei vielen Rettungsverfahren die Voraussetzung, um überhaupt jemanden bergen zu können.
Richtiges Verhalten im Wasser
- Ruhe bewahren und nicht in Panik geraten, auch wenn sich die Yacht scheinbar entfernt. Sie muss ein Manöver fahren.
- Sich wenig bewegen, nicht losschwimmen. Bewegung kostet Wärme und Kraft.
- Kleidung anlassen. Die eingeschlossene Luft und das Wasser in den Kleidern isolieren etwas. Nur schwere Gegenstände aus den Taschen nehmen.
- Bei den zugeworfenen Rettungsmitteln bleiben und sie am Körper sichern, etwa unter den Arm geklemmt oder um den Oberkörper gelegt, statt sie nur mit den Händen zu umklammern.
- Bei Dunkelheit Weste oder Blitzleuchte zum Auffallen nutzen.
- Nie der Yacht hinterherschwimmen.
- Mehrere Personen im Wasser bleiben zusammen, damit sie leichter zu finden sind.
Rettungsmethoden im Praxisversuch
Bei einem Versuch mit einer Person im Trockenanzug und Rettungsweste (Wasser 14 °C, ruhige See) wurden mehrere Verfahren an derselben Yacht getestet. Die wichtigsten Ergebnisse:
| Verfahren | Ergebnis |
|---|---|
| Feste Badeleiter | Geht gut, wenn die Person noch bei Kräften ist. Eine große, voll aufgeblasene Weste (275 N) erschwert das Greifen der Holme, etwas Luft ablassen half. Nur eingehängte Leitern lösen sich leicht bei Seegang. |
| Lifesling (Rettungsschlaufe) | Die Person im Wasser muss den Gurt selbst umlegen. Das Hieven verläuft dann schmerzfrei. |
| Anheben an der Bergeschlaufe der Weste | Für die Person sehr unangenehm (starke Belastung des Rückens). Der Versuch wurde abgebrochen. |
| Rundschlinge (Rettungsschlinge) | Wird unter den Armen durchgeführt, zwei Personen ziehen. Geht auch bei passiven Personen. |
| Rundschlinge mit Schaufeltrage | Für die Person die angenehmste Methode. Bei hohem Freibord (Heck) sind drei Helfer an Deck nötig. Achtung: Bei Seegang kann die Person unter das stampfende Heck geraten. |
| Seitenpforte eines Rettungsboots | Erleichtert die Rettung deutlich, weil nur 15–20 cm Höhenunterschied zu überwinden sind. |
Die Eigensicherung der Helfer hat Vorrang. Wer ungesichert hinterherspringt, gefährdet ein zweites Leben. Je mehr Personen zu retten sind, desto geringer sind die Erfolgschancen.
Was jede Yacht braucht
- Ein eigenes, auf das Boot zugeschnittenes Verfahren, wie eine hilflose Person aus dem Wasser geholt wird, und die passende Ausrüstung dafür.
- Die Rettungsmittel müssen schnell aus der Halterung genommen und ausgebracht werden können. Zusätzliche Schnüre oder Gummizüge verzögern das.
- Das Verfahren muss praktisch geübt sein, nicht nur besprochen. Nur beim Üben zeigt sich, ob die Crew es beherrscht.
- Die Mitsegler müssen wissen, wie man Rettungsmittel im Wasser richtig benutzt (Ring mit dem Arm halten, Schlinge unter die Arme).
Rettungswesten richtig auswählen und pflegen
- Nur Westen tragen, die den Normen für Rettungswesten entsprechen (DIN EN ISO 12402).
- Rettungswestenlicht an jeder Weste. Einsätze ziehen sich oft bis in die Dunkelheit.
- Wartungstermine und maximale Lebensdauer (in der Regel etwa zehn Jahre, unter bestimmten Bedingungen bis 15) beachten. Schon beim Kauf auf den ersten Wartungstermin achten.
- Sichtprüfung vor jedem Gebrauch und mindestens einmal jährlich eine Funktionsprobe: Auslösen, Aufblasen, Prüfen, wieder packen.
- Im Idealfall hat jeder einmal eine Weste im Wasser ausprobiert, etwa kurz vor der Wartung.
- Eine Weste mit Metallöse oder Bergeschlaufe bietet einen Anschlagpunkt für Rettungsleinen.
Weitere Ausrüstung, die im Ernstfall hilft
- Pyrotechnische Seenotsignale (Handfackeln, Fallschirmraketen) in wasserdichtem Behälter.
- UKW-Sprechfunkgerät (bei kleinen Booten auch tragbar und wasserdicht) mit DSC-Notruftaste.
- Notsender wie EPIRB, Personen-Notsender (PLB) oder – für Küstengewässer – MOB-Geräte mit AIS und DSC. Reine AIS-Geräte ohne DSC-Alarm sind nicht empfehlenswert.
- Wassergeschütztes Smartphone als Notgerät, Nummer der Rettungsleitstelle eingespeichert. Ein Handy sollte entweder für die Navigation oder für den Notfall vorgesehen sein, damit der Akku nicht leerläuft.
- Wind- und wasserdichte Kleidung in Signalfarbe, bei kaltem Wasser Trockenanzug.
- Alle Notmittel griffbereit und von allen Crewmitgliedern zu bedienen.
Notruf: So geht es schnell
- Auf See und Küste möglichst über Seefunk mit DSC: Die Position wird automatisch mitgesendet.
- Ein großer Teil der Notmeldungen geht per Telefon ein. Dann die 112 wählen. Wenn möglich zusätzlich die Rettungsleitstelle See anrufen und die Verbindung als Arbeitskanal offen halten. Die Nummer vorher als Kurzwahl speichern.
- Ruhig sprechen, Name, Position, Art des Notfalls und benötigte Hilfe nennen.
