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Vergleich · Entscheidungsweg · Prüfungsfallen

⚖️ KVR und SeeSchStrO im Vergleich

Dieselbe Begegnung kann je nach Ort zwei verschiedene Antworten haben. Hier stehen beide Regelwerke direkt nebeneinander.

Man kann es sich so merken: Die KVR sind die weltweite Grundordnung auf dem Wasser. Die SeeSchStrO ist die deutsche Verkehrsordnung für die Küstenreviere und Flussmündungen. Sie übernimmt die KVR und ändert sie dort, wo enge, stark befahrene Fahrwasser eine klarere Regel brauchen. Die wichtigste Änderung betrifft die Vorfahrt im Fahrwasser.

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Dieselbe Situation, zwei Antworten

Ein Motorboot fährt nach Westen, ein Segelboot kommt von Süden und will hinüber. Links auf freier See, rechts im Fahrwasser. Löse beide Situationen und vergleiche die Manöver.

Warum ist das so?

Auf freier See kann jeder ausweichen, also muss der Wendigere dem weniger Wendigen Platz machen. Im Fahrwasser ist der Raum knapp und die Großschifffahrt kann nicht heraus. Deshalb gilt dort eine Regel wie im Straßenverkehr: Der fließende Verkehr hat Vorfahrt, wer einbiegt oder kreuzt, wartet.

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Alle Unterschiede auf einen Blick

ThemaKVRSeeSchStrO
Art der RegelInternational, weltweit gleichNational, ergänzt die KVR und geht ihnen vor, wo sie etwas anderes bestimmt (§ 1 Abs. 4)
GeltungsbereichHohe See und alle damit zusammenhängenden, von Seeschiffen befahrbaren GewässerBis 3 sm seewärts der Basislinie, betonnte Fahrwasser im Küstenmeer, Unterläufe von Elbe, Weser, Trave und anderen Flüssen, Nord-Ostsee-Kanal; nicht die Emsmündung
GrundprinzipDie Fahrzeugart (Regel 18) und die Lage (Regeln 12 bis 15) entscheidenIm Fahrwasser entscheidet die Bewegung: Wer dem Fahrwasser folgt, hat Vorfahrt (§ 25)
BegriffeAusweichpflichtiger und KurshalterVorfahrt und Wartepflicht
Motorboot und SeglerDas Maschinenfahrzeug weicht dem Segelfahrzeug aus (Regel 18 a)Im Fahrwasser hat Vorfahrt, wer folgt, ob Motor oder Segel. Außerhalb des Fahrwassers gelten die KVR
Zwei Motorboote, kreuzende KurseRechts vor links (Regel 15)Im Fahrwasser ersetzt: Der Folgende hat Vorfahrt vor dem Querenden
BegegnenBeide ändern nach Steuerbord (Regel 14)Nach Steuerbord, Rechtsfahrgebot (§§ 22, 24). Auf bekanntgemachten Abschnitten Ausnahmen
ÜberholenDer Überholer weicht aus, an beiden Seiten möglich (Regel 13)Der Überholer weicht aus, grundsätzlich links; Überholverbote; Zustimmung auch per UKW (§ 23)
Segler untereinanderRegel 12: Backbordbug weicht, Luv weicht LeeKreuzen sie im Fahrwasser, gilt untereinander Regel 12, ohne Vorfahrtberechtigte zu behindern (§ 25 Abs. 3)
Kleine Fahrzeuge und GroßschifffahrtUnter 20 m und Segler: im engen Fahrwasser und im VTG nicht behindern (Regeln 9, 10)Im Fahrwasser regelt § 25 die Vorfahrt; wer quert oder einläuft, wartet
EngstellenKeine eigene Vorfahrtsregel, besondere Vorsicht (Regel 9)Wer mit dem Strom fährt, hat Vorfahrt (§ 25 Abs. 5)
Einmündende FahrwasserKeine eigene RegelDas durchgehende Fahrwasser geht vor (§ 25 Abs. 4)
SichtAusweichregeln nur, wenn man sich sieht; bei Nebel Regel 19Fahrregeln gelten unabhängig von der Sicht; Überholen und Begegnen auch bei reiner Radarortung (§ 21)
Wasserski, Jetski, SurferKeine SonderregelWeichen allen Fahrzeugen aus (§ 31 Abs. 2)
VerkehrstrennungsgebietRegel 10: Einbahnwege, rechtwinklig queren, Küstenverkehrszone, nicht behindernKeine eigenen Regeln, es gelten die KVR
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Die Grenze in der Seekarte

Elbe-Ansteuerung

Vor der Elbe sieht man den Übergang besonders deutlich: Draußen liegt das Verkehrstrennungsgebiet, in dem nur die KVR gelten. An der braunen Linie beginnt der Bereich der SeeSchStrO und mit ihm das betonnte Elbe-Fahrwasser.

Seekarte: eigene Darstellung, nicht zur Navigation.
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Ein Törn durch beide Regelwerke

Helgoland → Cuxhaven

Auf der Seekarte der Deutschen Bucht fährt eine Yacht von Helgoland nach Cuxhaven. In jedem Abschnitt siehst du, welches Regelwerk gerade gilt und was das für das Ausweichen bedeutet.

Seekarte: eigene Darstellung, nicht zur Navigation.
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Der Entscheidungsweg

Mit diesen Fragen findest du in jeder Lage die richtige Regel. Geh sie von oben nach unten durch, die erste passende Antwort gilt.

1Bin ich im Bereich der SeeSchStrO und im Fahrwasser? Dann gilt § 25: Wer dem Fahrwasser folgt, hat Vorfahrt. Wer einläuft, quert, dreht oder ablegt, wartet. Überholen und Begegnen nach §§ 23, 24.
2Überhole ich oder werde ich überholt? Der Überholer weicht immer aus (Regel 13).
3Bin ich in einem VTG oder engen Fahrwasser (außerhalb der SeeSchStrO)? Als Fahrzeug unter 20 m oder Segler die Großschifffahrt nicht behindern (Regeln 9, 10).
4Sind es verschiedene Fahrzeugarten? Rangfolge: Maschine weicht Segel, Segel weicht Fischer, alle weichen manövrierbehinderten und manövrierunfähigen Fahrzeugen (Regel 18).
5Zwei Segler? Wind von Backbord weicht, bei gleicher Seite Luv weicht Lee (Regel 12).
6Zwei Maschinenfahrzeuge? Entgegengesetzt: beide nach Steuerbord (Regel 14). Kreuzend: rechts vor links (Regel 15).
Und immer: gehöriger Ausguck, sichere Geschwindigkeit, im Zweifel Gefahr annehmen, notfalls das Manöver des letzten Augenblicks.
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Die typischen Prüfungsfallen

„Maschine weicht Segel“ gilt nicht immer

Nicht im Fahrwasser der SeeSchStrO (dort hat der Folgende Vorfahrt), nicht beim Überholen (der Überholer weicht aus) und nicht im VTG gegenüber Maschinenfahrzeugen auf dem Einbahnweg (Nichtbehinderungsgebot).

Segeln mit Motor

Wer unter Segel die Maschine mitlaufen lässt, ist ein Maschinenfahrzeug und zeigt den Kegel mit der Spitze nach unten. Er hat keine Rechte eines Seglers.

Außerhalb des Fahrwassers

Auch im Bereich der SeeSchStrO gelten außerhalb der Fahrwasser die Ausweichregeln der KVR.

Wo stehen die VTG-Regeln?

In den KVR (Regel 10), nicht in der SeeSchStrO.

Steuerbordseite des Fahrwassers

Die Seite, die ein von See einlaufendes Schiff an Steuerbord hat, also die Seite der grünen Tonnen.

Manöver des letzten Augenblicks

Das ist das Ausweichmanöver des Kurshalters, wenn der Ausweichpflichtige allein den Zusammenstoß nicht mehr vermeiden kann.
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