Der Wind drückt dein Boot an den Steg, vorne und hinten liegen Nachbarn. Wer jetzt einfach mit Ruderlage voraus losfährt, berührt schnell die Badeplattform des vorderen Boots. Mit einer Vorspring bleibt das Boot unter Kontrolle: Sie hält den Bug, während das Heck vom Steg wegschwenkt. Die Animation zeigt beide Fälle, darunter findest du den Ablauf, die Kommandos und die Grenzen des Manövers.
Die Animation
1:04 Minuten, ohne Ton, mit eingeblendeten Texten. Bootsdarstellung KI-generiert
Falsch: ohne Vorspring
Richtig: mit Vorspring
Die Ausgangslage
Boot: Motorboot mit Wellenantrieb und Ruder, es liegt mit Steuerbord am Steg.
Wind: auflandig, er drückt das Boot gegen den Steg. Einfach mit dem Heck oder Bug abzudrücken klappt nicht, der Wind ist stärker.
Platz: Vorne und hinten liegen andere Boote mit wenig Abstand. Vorausfahren ist nicht möglich, also muss das Boot rückwärts heraus.
Vorspring: eine Leine, die vom Bug nach achtern zu einem Poller oder einer Klampe am Steg führt. Sie verhindert, dass das Boot nach vorne fährt.
Ohne und mit Vorspring
Ohne Vorspring
Mit Ruder zum Steg und Fahrt voraus dreht der Bug zwar zum Steg und das Heck nach außen, aber das ganze Boot fährt dabei nach vorne. Bei wenig Platz trifft es nach wenigen Metern die Badeplattform des vorderen Boots, bevor das Heck weit genug draußen ist.
Mit Vorspring
Die Spring hält den Bug an Ort und Stelle. Die Schubkraft des Propellers kann das Boot nicht mehr nach vorne bewegen und wird zu einer Drehung um den Bug. Das Heck schwenkt gegen den Wind vom Steg weg, bis der Winkel für das Rückwärtsfahren reicht.
Dieses Manöver nennt man auch in die Vorspring eindampfen. Der Bug liegt dabei mit Druck am Steg an, deshalb gehört genau dort ein Fender hin.
Ablegen mit Vorspring Schritt für Schritt
Vorbereiten und absprechen. Vorspring vom Bug zum Steg führen, alle anderen Leinen lösen. Am vorderen Druckpunkt, also dort, wo der Bug gegen den Steg drückt, einen Fender ausbringen. Rudergänger und Crew sprechen ab, wer was macht und welche Kommandos gelten.
Ruder zum Steg legen. Das Boot liegt mit Steuerbord am Steg, also Ruderlage Steuerbord.
Langsam voraus. Vorwärtsgang einlegen, mit wenig Gas. Die Spring kommt auf Zug und hält, der Bug drückt in den Fender, das Heck schwenkt vom Steg weg. Gegen stärkeren Wind ist etwas mehr Gas nötig, aber immer gefühlvoll.
Winkel abwarten. Das Heck so weit ausschwenken lassen, bis genug Abstand zum hinteren Boot und zum Steg besteht. In der Animation sind es 45°, das ist ein Beispiel und kein fester Wert.
Leerlauf, Spring lösen. Leerlauf einlegen und das Kommando „Vorspring lösen!“ geben. Die Crew löst die Leine und holt sie vollständig an Bord.
Meldung abwarten. Erst wenn die Crew „Vorspring ist los!“ meldet und die Leine sicher an Bord und klar vom Propeller ist, geht es weiter.
Ruder gerade, Blick achteraus. Ruder mittschiffs legen und nach hinten schauen: Wie weit ist das hintere Boot, wohin versetzt der Wind?
Rückwärts herausfahren. Rückwärtsgang einlegen und kontrolliert aus der Lücke fahren. Den Blick achteraus behalten, bis das Boot frei ist.
Merke:Ruder zum Steg, langsam voraus gegen die Spring, Heck schwenkt aus. Dann Leerlauf, Spring los und an Bord, Ruder gerade, rückwärts raus. Nie mit eingekuppeltem Propeller eine lose Leine im Wasser haben.
Tipp: Spring auf Slip legen
Damit niemand zum Lösen auf den Steg springen muss, wird die Vorspring oft auf Slip gelegt: Die Leine geht von der Bugklampe um den Poller am Steg und zurück an Bord. Zum Lösen wird ein Ende losgeworfen und die Leine einfach um den Poller herum eingeholt. Die ganze Crew bleibt so an Bord. Beim Einholen darauf achten, dass sich die Leine nicht am Poller verklemmt.
Kommandos und Rückmeldungen
Wer
Kommando oder Meldung
Bedeutung
Rudergänger
„Klar zum Ablegen?“
Fragt, ob Fender, Spring und Crew bereit sind.
Crew
„Ist klar!“
Alles vorbereitet, nur noch die Vorspring ist fest.
Rudergänger
„Vorspring lösen!“
Boot im Leerlauf, Leine jetzt lösen und einholen.
Crew
„Vorspring ist los!“
Leine vollständig an Bord und klar vom Propeller. Erst jetzt wird der Gang eingelegt.
Die genauen Worte können sich von Crew zu Crew unterscheiden. Wichtig ist, dass alle sie vorher kennen und dass jede Anweisung mit einer Rückmeldung bestätigt wird.
Bei sehr starkem auflandigem Wind
Achtung: Auch mit Vorspring kann das Manöver deutlich schwieriger werden. Sobald die Leine gelöst ist, fehlt ihr Halt. Vor allem im Leerlauf und beim langsamen Rückwärtsfahren kann der Wind das Boot seitlich wieder zum Steg versetzen. Dabei droht eine Kollision mit dem hinteren Boot, auch wenn der vordere Nachbar schon frei ist.
Den ganzen Weg rückwärts und die seitliche Abdrift im Blick behalten.
Mehr Winkel und Reserveabstand einplanen, als bei ruhigem Wetter nötig wäre.
Die Zeit zwischen „Vorspring ist los!“ und dem Einkuppeln kurz halten, damit das Boot nicht lange ohne Fahrt treibt.
Reicht der Platz bei diesen Bedingungen nicht sicher aus: Ablegen verschieben oder Unterstützung holen, zum Beispiel Helfer am Steg oder ein Verholen an einen anderen Liegeplatz.
Radeffekt beachten: Beim Rückwärtsfahren zieht ein Wellenantrieb das Heck je nach Drehrichtung des Propellers zu einer Seite. Wer weiß, in welche Richtung sein Boot ausbricht, kann das einplanen. Ob der Effekt hier hilft oder stört, hängt vom Boot und von der Stegseite ab.
Typische Fehler
Kein Fender am Bug: Der Bug drückt beim Eindampfen mit voller Kraft an den Steg.
Ruder zur falschen Seite: Mit Ruder vom Steg weg drückt das Heck noch stärker an den Steg.
Zu viel Gas: Die Spring wird stark belastet, das Boot schwenkt ruckartig, der Rumpf kann Schaden nehmen.
Zu früh lösen: Das Heck ist noch nicht weit genug draußen, der Wind drückt das Boot zurück an den Steg.
Einkuppeln mit Leine im Wasser: Eine lose Spring kann in den Propeller geraten, das Boot ist dann manövrierunfähig.
Nur nach vorne schauen: Beim Rückwärtsfahren liegt die Gefahr hinten, beim hinteren Boot.
Kurzquiz
Ablegen und Anlegen gehören in der praktischen Prüfung zum Sportbootführerschein See und Binnen zu den Manövern, die du sicher beherrschen musst. Weitere Manöver findest du unter Manöverkunde, das Ankern mit eigenem Film unter Ankern.
Die Animation ist schematisch: Ruder und Leinenarbeit sind zur besseren Erkennbarkeit hervorgehoben, Abstände und Zeiten sind Beispiele. Wind, Böen, Strömung, Rumpfform und Antrieb verändern das Verhalten jedes Boots. Eine Animation ersetzt kein praktisches Manövertraining.