Wie setzt du den Anker richtig? Der Film zeigt Boot, Kette und Pflugscharanker in einer Szene. Darunter findest du den Ablauf in Schritten, die drei häufigsten Ankerformen für Sportboote und Hinweise zu Haltekraft und Größe.
Der Bootsfilm
2:26 Minuten, ohne Ton, mit eingeblendeten Texten. Lehrmodell: Abstände und Zeitabläufe sind schematisch, die Szene ist keine Seekarte.
Ankern Schritt für Schritt
Ausrichten. Das Boot mit dem Bug gegen Wind oder Strömung stellen, je nachdem, was stärker wirkt. Wassertiefe und Grund prüfen und den Platz so wählen, dass genug Raum zum Schwojen bleibt.
Boot aufstoppen. Die Fahrt aus dem Schiff nehmen, bevor der Anker nach unten geht. Das Boot soll stehen, nicht noch treiben oder Fahrt voraus laufen.
Anker ablassen. Den Anker kontrolliert herunterlassen, nicht werfen. So bleibt die Kette sortiert, und nichts verheddert sich am Anker.
Aufsetzen. Sobald der Anker den Grund erreicht, ist die Wassertiefe bekannt. Das Boot bleibt dabei aufgestoppt.
Weitere Kette geben. Nach dem Aufsetzen wird zunächst Kette gegeben, das Boot steht noch.
Rückwärts fahren und Kette geben. Langsam rückwärts fahren, dabei läuft weiter Kette aus. Zunächst liegt die lose Kette am Grund. Erst wenn sie auf Zug kommt, beginnt der Anker zu arbeiten.
Der Kettenzug gräbt den Anker ein. Die Kette zieht fast waagerecht am Anker. Der Pflugscharanker wandert dabei zum Boot hin und gräbt sich ein, bis der Schaft am Boden liegt. Ein Anker sinkt nicht von oben in den Grund, er wird durch den seitlichen Zug eingegraben.
Halt kontrollieren. Prüfen, ob der Anker hält: Zug an der Kette spüren und mit Peilungen zu festen Objekten an Land kontrollieren, ob das Boot an der Stelle bleibt.
Motor aus. Hält der Anker, wird der Motor abgestellt.
Schwojen. Das Boot dreht sich bei wechselndem Wind oder wechselnder Strömung um den Anker. Der Schwojraum ist der Kreis, den es dabei überstreichen kann. Andere Boote, Untiefen und Land dürfen darin nicht liegen.
Merke: Erst stoppen, dann ablassen, dann rückwärts mit Kettezugabe eingraben, am Ende Halt kontrollieren und den Schwojraum prüfen. Wie viel Kette oder Leine nötig ist, steht im nächsten Abschnitt.
Wie viel Kette oder Leine?
Verbindung zum Anker
Länge (Faustwert)
Ankerkette
das Dreifache der Wassertiefe
Ankerleine
das Fünffache der Wassertiefe
Starker Seegang
Kette oder Leine länger geben, die Länge muss erhöht werden
Beispiel: Bei 5 m Wassertiefe gibst du mit Kette etwa 15 m und mit Leine etwa 25 m. Je länger die Verbindung, desto flacher zieht sie am Anker, und das ist es, was den Anker eingräbt und im Grund hält. Bei Wind, Welle, Strömung oder schlechtem Grund gibst du entsprechend mehr.
Die drei Ankertypen im Vergleich
Welcher Anker der praktischste ist, hängt von der Aufgabe ab. Hier die drei Formen, die auf Sportbooten am häufigsten zu sehen sind.
Pflugscharanker
Stärken: robuste Fahrtenbauform, gute Haltewirkung bei passendem Grund, an einer passenden Bugrolle gut bereitzuhalten.
Grenzen: sperrig und vergleichsweise schwer. Gelenk und Schar brauchen Platz, Grund und Setzvorgang bleiben entscheidend.
Typisch: Hauptanker an Fahrten-Segelbooten und Motoryachten.
Plattenanker (Danforth-Art)
Stärken: große Flunkenfläche, flach zu verstauen. Auf geeignetem Sand und Schlick ist im Verhältnis zum Gewicht eine hohe Haltekraft möglich. Aluminium-Modelle sind leicht zu handhaben.
Grenzen: Flunken und Querstab sind breit, nicht jede Bugrolle passt. Kraut, Steine und harter Grund können das Eingraben behindern.
Typisch: Sportboote, häufig als Zweit- und Verholanker, je nach Modell auch als Hauptanker.
Klappdraggen (vierarmig)
Stärken: lässt sich besonders kompakt zusammenlegen, praktisch in kleinen Stauräumen.
Grenzen: kleine wirksame Flunkenfläche, im Sand begrenztes Haltevermögen. Verhaken kann sehr fest sein, erschwert dann aber die Bergung.
Typisch: Beiboote, kleine offene Boote, Kanus und Kajaks, passend zum Einsatz dimensioniert.
Typ
Besonders gut für
Vorsicht bei
Pflugscharanker
feste Bugrollen-Anordnung, Hauptanker auf Fahrtenyachten
wenig Stauraum, Setzvorgang und Grund
Plattenanker
Handhabung, flaches Verstauen, Zweit- und Verholanker
Kraut, Steine, harter Grund, nicht passende Bugrolle
Klappdraggen
sehr kleine Stauräume, Beiboot, Kanu
Sandgrund (wenig Halt), schwere Bergung nach dem Verhaken
Daraus folgt: Ein Klappdraggen ist ein guter Anker für sehr kleine Boote, aber keine allgemeine Empfehlung als Hauptanker einer größeren Yacht.
Welcher Anker hat die größte Haltekraft?
Einen belastbaren Gesamtsieger gibt es nicht. Dafür müssten Baugröße, Grund, Zugrichtung und Setzbedingungen bei allen Ankern gleich sein. Besonders hohe Haltekraft je Kilogramm kann ein Plattenanker auf geeignetem Sand- oder Schlickgrund erreichen. Für Stein, Kraut oder harten Boden gilt das nicht. Auch das Eigengewicht zweier verschiedener Konstruktionen ist kein fairer Leistungsvergleich.
Ein Beispiel für den Einfluss von Form und Boden: Beim Aluminiumanker Fortress FX-11 (3,2 kg, Tabellenbereich etwa 8 bis 10 m Bootslänge) nennt der Hersteller rund 16,0 kN in hartem Sand und rund 4,8 kN in weichem Schlick. Das sind kontrollierte Testwerte bei waagerechtem Zug, keine garantierten Einsatzwerte und keine Aussage zum zulässigen Bootsgewicht. Die Arbeitslast liegt bei etwa 4,0 kN. Die Zahlen stammen nicht aus einem gleichartigen Vergleich aller drei Ankertypen, deshalb gibt es hier bewusst keine Rangliste.
Ankergewicht und Bootsgewicht
Für diese drei Ankerarten gibt es keine universelle Prozentregel für das Verhältnis von Ankergewicht zu Bootsgewicht. Maßgeblich sind neben Länge und Verdrängung auch Windangriffsfläche und Aufbauten, Wind, Welle, Strömung, Grund, Ankermodell und Einsatzdauer.
Ausgangspunkt ist die Größentabelle des Herstellers für das konkrete Modell. Bei erschwerten Bedingungen kommen Reserven dazu.
Tabellen verschiedener Hersteller und Systeme dürfen nicht ohne ihre Voraussetzungen vermischt werden.
„Ein Plattenanker ist sehr leicht“ gilt besonders für Aluminium-Modelle. Es gibt auch Plattenanker aus Stahl. Material und wirksame Fläche gehören in die Betrachtung.
Kette, Schäkel, Leine und Anschlagpunkte müssen zur Belastung passen, sonst reißt das schwächste Glied.
Quellen: BoatUS Foundation (Anchoring & Mooring), Lewmar (CQR), Osculati-Herstellerkatalog, Miami Cordage (Folding Grapnel Anchor), Danforth Standard, Fortress (FAQ und Selection Guide), RYA (Powerboat equipment). Fotos der Ankertypen: bereitgestellte Beispielbilder. Alle Angaben ohne Gewähr, maßgeblich bleibt die Herstellerangabe zum konkreten Anker.