Nautik-Trainer

Übungsbogen Recht 1

Bearbeitungszeit in der Prüfung: 60 Minuten. Für die Radaraufgaben brauchst du einen Plottvordruck, Lösungen sind gerundete Rechenwerte; kleine Abweichungen beim Zeichnen sind normal.

KVR

Sie segeln nachts mit Ihrer 12 m langen Yacht Priwall in der westlichen Ostsee. Der Wind kommt mit Stärke 4 aus NNW (330°), Sie steuern rwK 060°. Etwa 45° an Backbord taucht ein einzelnes grünes Licht auf (Fahrzeug X). Die Peilung bleibt stehen, das Licht wird heller.

1.Was haben Sie in Fahrzeug X vor sich?

Ein Segelfahrzeug in Fahrt (Seitenlicht ohne Topplicht), dessen Steuerbordseite Sie sehen.

2.Wer muss ausweichen? Begründen Sie Ihre Antwort.

Die Priwall hat den Wind von Backbord. X steht in Luv, und nachts lässt sich nicht erkennen, auf welcher Seite X den Großbaum führt. Nach Regel 12 a iii KVR muss deshalb die Priwall ausweichen. X ist Kurshalter.

3.Wie wäre dieselbe Lage am Tage zu beurteilen?

  • Hat X den Wind ebenfalls von Backbord, ist X das luvwärtige Fahrzeug und muss ausweichen (Regel 12 a ii).
  • Hat X den Wind von Steuerbord, muss die Priwall als Fahrzeug mit Wind von Backbord ausweichen (Regel 12 a i).

4.Am nächsten Vormittag bricht der Großbaum und das Vorstag ist beschädigt. Die Maschine springt nicht an, die Reparatur wird dauern. Wie kennzeichnen Sie die Yacht am Tag und nach Einbruch der Dunkelheit?

Als manövrierunfähiges Fahrzeug (Regel 27 a): am Tag zwei schwarze Bälle senkrecht übereinander, nachts zwei rote Rundumlichter senkrecht übereinander. Macht die Yacht noch Fahrt durch das Wasser, kommen nachts Seitenlichter und Hecklicht dazu.

5.Was bedeutet „Kurshalter“, und wie gehen Sie vor, wenn der Ausweichpflichtige nicht reagiert? Antworten Sie in sinnvoller Reihenfolge.

  • Kurshalter heißt: Kurs und Geschwindigkeit beibehalten (Regel 17 a i).
  • Reagiert der andere nicht, mindestens fünf kurze, rasch aufeinanderfolgende Töne geben (Regel 34 d), nachts ggf. zusätzlich als Lichtsignal.
  • Sobald klar ist, dass der Ausweichpflichtige nicht angemessen handelt, darf der Kurshalter selbst manövrieren (Regel 17 a ii).
  • Ist man so nahe, dass der andere allein den Zusammenstoß nicht mehr vermeiden kann, muss der Kurshalter das zur Vermeidung Dienlichste tun (Regel 17 b).

SeeSchStrO

6.Ab wann „quert“ ein Fahrzeug ein Fahrwasser im Sinne der SeeSchStrO, und woran erkennen Sie in der Praxis die Richtung des Fahrwassers?

Nach allgemeiner Verkehrsauffassung quert, wer deutlich, also um mehr als etwa 10°, von der Richtung des Fahrwassers abweicht. Die Fahrwasserrichtung ergibt sich in der Praxis oft aus Richtfeuerlinien oder Radarlinien in der Seekarte und aus der Betonnung.

7.Was bedeutet „Vorfahrt beachten“?

„Vorfahrt beachten“ begründet eine Wartepflicht. Der Wartepflichtige muss rechtzeitig durch sein Fahrverhalten zeigen, dass er warten wird, und darf erst weiterfahren, wenn er übersehen kann, dass die Schifffahrt im Fahrwasser nicht beeinträchtigt wird. Dazu ändert er ggf. Kurs und/oder Geschwindigkeit. Das gilt rechtlich nicht als Ausweichen.

8.Welche Alkoholgrenze gilt nach der SeeSchStrO für die Person, die eine Yacht führt?

Wer 0,25 mg/l oder mehr Alkohol in der Atemluft oder 0,5 Promille oder mehr im Blut hat (oder eine Alkoholmenge im Körper, die dazu führt), darf kein Fahrzeug führen und darf als Besatzungsmitglied keinen Dienst auf der Brücke, an Deck oder in der Maschine ausüben (§ 3 Abs. 4 SeeSchStrO). Die Grenze gilt auch für die selbständige Bestimmung von Kurs und Geschwindigkeit.

Umweltschutz

9.Sie sind mit acht Personen eine Woche in der Ostsee unterwegs. Was dürfen Sie mit Speiseresten, leeren Glasflaschen, Plastiktüten und Verpackungen machen?

  • Speisereste: Die Ostsee ist Sondergebiet nach MARPOL Anlage V. Dort dürfen nur zerkleinerte Lebensmittelabfälle mindestens 12 sm vom nächsten Land eingeleitet werden. Besser: im Hafen entsorgen.
  • Glasflaschen, Verpackungen: dürfen nicht über Bord, sie gehören in die Hafenentsorgung.
  • Plastik jeder Art: überall auf See verboten.
  • Praktisch heißt das: Müll an Bord sammeln, trennen und an Land abgeben.

Radarplotten

Die Priwall steuert unter Motor rwK 020°, FdW 6 kn. Radar relativ vorausorientiert (Head-up). Ein Echo Y wird so beobachtet (bei beiden Peilungen lag rwK 020° an): 14.00 Uhr RaSP 012° Abstand 9,0 sm 14.12 Uhr RaSP 011° Abstand 6,0 sm

10.Bestimmen Sie CPA und Passierseite.

CPA etwa 0,3 sm an Backbord (RaSP beim CPA etwa 284°), etwa 24 Minuten nach der zweiten Beobachtung, also gegen 14.36 Uhr. Das ist zu nah, es muss gehandelt werden.

11.Bestimmen Sie KBr und vBr.

KBr ≈ 214°, vBr ≈ 15 kn.

12.Bestimmen Sie Kurs und Geschwindigkeit von Y.

KB ≈ 223°, vB ≈ 9,3 kn. Y läuft also nahezu auf Gegenkurs.