Stromatlas, Spring- und Nippraten, Stromdreieck.
Gezeitenströme kentern im Rhythmus der Gezeiten und erreichen an Kaps, in Meerengen und Flussmündungen oft mehrere Knoten. Für die Törnplanung entscheidend ist, wann man mit und wann gegen den Strom fährt.
Eigene Grafik, schematisch: Der Strom kentert hier etwa 3 Stunden vor und nach Hochwasser. Wann er wirklich kentert, ist von Ort zu Ort verschieden und steht im Stromatlas.
Ein Gezeitenstromatlas zeigt für jede Stunde von 6 Stunden vor bis 6 Stunden nach Hochwasser an einem Bezugsort eine Karte mit Strompfeilen. Britische Atlanten beziehen sich meist auf Hochwasser Dover, die deutschen Atlanten für die Deutsche Bucht auf Hochwasser Helgoland. In Seekarten geben Gezeitenstromtabellen an markierten Punkten (Rauten mit Buchstaben) Richtung und Stärke je Stunde an.
Die Stärke wird für Spring- und Nippzeit angegeben. In britischen Atlanten steht etwa „14,25“: 1,4 kn bei Nipp und 2,5 kn bei Spring. Für Tage dazwischen interpoliert man über den Tidenhub:
Beispiel: Atlasangabe 14,25. Mittlerer Springhub am Bezugsort 4,2 m, Nipphub 2,0 m, Tidenhub heute 3,3 m. Strom = 1,4 + 1,1 × (3,3 − 2,0) : 2,2 = 1,4 + 0,65 = 2,05 kn, gerundet 2,1 kn.
Der Strom versetzt das Schiff über Grund. In der Kursverwandlung steht er als Beschickung für Strom (BS) zwischen Kurs durchs Wasser und Kurs über Grund. Zeichnerisch löst man die Aufgabe mit dem Stromdreieck: eigener Weg durchs Wasser plus Stromversatz in derselben Zeit ergibt den Weg über Grund. Für eine gewünschte Kurslinie trägt man zuerst den Strom an und sucht dann, welchen Kurs durchs Wasser man steuern muss.
Alle Grafiken: eigene Darstellungen von Nautik-Trainer. Übungswerte erfunden, nicht zur Navigation. Prüfungsangaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die Unterlagen des Prüfungsausschusses.