Die Vorbereitung
Reiseplanung
Die Schiffsführung ist für Boot und Crew verantwortlich und muss vor dem Ablegen alles für eine sichere Fahrt veranlassen: Revier, Vorschriften, Navigationshilfen und Wetter kennen, realistische Etappen planen, Belastbarkeit der Crew bedenken, Liegeplätze, Nothäfen und Ankerplätze heraussuchen. Binnen gehören Wasserstände, Durchfahrtshöhen, Sperrungen und Schleusenzeiten dazu (ELWIS).
Checkliste vor dem Auslaufen
- Seekarten und Seebücher berichtigen und bereitlegen
- UKW-Kanäle der Verkehrszentralen kennen, Verkehrs- und Wetterberichte hören
- Rettungsmittel, Elektrik, Positionslaternen und Navigationsgeräte prüfen; Radarreflektor setzen
- Proviant, Kraftstoff, Öl und Wasser auffüllen
- Laufendes und stehendes Gut prüfen, unnötige Seeventile schließen, Bilge sauber
- bei Schlechtwetter Segel schon im Hafen vorbereiten
- alle Mitfahrenden einweisen; so starten, dass man vor Dunkelheit ankommt
- mit Kanu/Ruderboot: bei Vertrauenspersonen abmelden (Ziel und Dauer) – nicht allein auf See
Törn im Alltag planen
- Den Plan jeden Morgen neu prüfen: Wetter, Stimmung und Verfassung der Crew können sich über Nacht ändern.
- Pausen und Puffer einplanen – wer sich hetzt, macht Fehler. Lieber kürzere Etappen segeln.
- Auf Kinder und wenig erfahrene Mitsegler besondere Rücksicht nehmen und für schlechte Tage ein Alternativprogramm an Land bereithalten.
- Auf der Route mehrere Ausweichhäfen heraussuchen und die Crew-Liste mit Notrufnummern an Bord aufbewahren.
- Wachplan festlegen, damit niemand übermüdet ist. Herrscht an Bord schlechte Stimmung oder Erschöpfung, wird der nächste Hafen angelaufen.
- Die Törnplanung lässt sich in der App speichern. Kehrt die Crew nicht rechtzeitig zurück, werden die hinterlegten Kontaktpersonen nach einer Karenzzeit von etwa einer Viertelstunde benachrichtigt. Nach der Ankunft den Törn in der App beenden.
Erweiterte Checkliste vor dem Ablegen
Navigation und Kommunikation
- Positionslichter und Ankerlicht funktionieren; Ersatzlampen sind an Bord.
- Echolot, Logge, Windmesser, Kompass und Handpeilkompass sind geprüft.
- Papierkarten und Revierführer liegen bereit – elektronische Karten können ausfallen. Zirkel, Kursdreieck und Bleistifte nicht vergessen.
- Liste mit UKW-Kanälen, Licht- und Schallsignalen und Kollisionsverhütungsregeln griffbereit.
- Handfunkgerät und Ersatz-GPS sind geladen, Smartphone und Powerbank aufgeladen.
- Fernglas, Logbuch und Kartentischbeleuchtung vorhanden.
Deck, Rigg und Segel
- Seereling, Relingstützen und Strecktaue auf festen Sitz prüfen.
- Stehendes Gut (Wanten, Stagen) und laufendes Gut (Fallen, Schoten, Reffleinen) auf Verschleiß kontrollieren.
- Segel auf Scheuerstellen und Risse untersuchen; Sturmsegel und Reffeinrichtung müssen einsatzbereit sein.
- Winschen, Blöcke und Klemmen gangbar; Ersatzwinschkurbel griffbereit.
- Luken und Lüfter dicht, Festmacher in gutem Zustand.
- Anker samt Kette bzw. Leine, Ankerwinsch und Bojenleine prüfen.
Bordsysteme
- Steuerung und Selbststeueranlage funktionieren, eine Notpinne liegt bereit.
- Batteriezustand und Klemmen kontrollieren.
- Gasanlage auf Dichtheit prüfen, Herd testen, Lüftungsöffnungen frei.
- Seeventile gangbar; elektrische und manuelle Bilgenpumpe testen.
- Wasser- und Toilettenpumpe, Suchscheinwerfer und Heizung prüfen.
- Werkzeug und Ersatzteile vollständig.
Motor (bei Yachten mit Hilfsmotor)
- Öl- und Kühlwasserstand, Keilriemenspannung, Filter und Kraftstoffvorrat kontrollieren.
- Motorraum auf Lecks und Ölspuren untersuchen, Wellendichtung prüfen.
- Kühlwasser-Seeventil öffnen, Motor starten und prüfen, ob Kühlwasser austritt.
- Ersatzimpeller, Ersatzkeilriemen, Sicherungen und Ersatzfilter an Bord, außerdem Reservekraftstoff im Kanister.
Einweisung der Crew
Vor dem Auslaufen klären: Aufgabenverteilung, Verhalten im Notfall (v. a. Mensch über Bord, Feuer) und eine Vertretung für den Fall, dass der Skipper ausfällt. Die Einweisung umfasst mindestens:
- Motor starten und stoppen
- Alarmierung aller Personen an Bord bei einem Unfall; schnelles, sicheres Verlassen des Bootes
- Brandbekämpfung; Lage der Rettungsmittel, Anlegen von Weste und Lifebelt
- Umgang mit Seenotsignalen, Lenzeinrichtung, Ventilen (Pump-WC!), Gasanlage
- Boot bei Wassereinbruch verschließen und Leck sichern
- Strecktaue spannen und sich anleinen
- Rettung über Bord Gefallener; Erste Hilfe und Wiederbelebung
- Benachrichtigung der zuständigen Stellen
- Lage der Seeventile zeigen und erklären, wie die Kraftstoffzufuhr abgestellt wird
- Wo liegen die Notfallkontakte und die Liste mit den Notrufnummern?
- Fluchttasche (wasserdicht gepackt mit Handfunkgerät, Signalmitteln, Trinkwasser, Notfall-GPS) und Rettungsinsel zeigen, dazu scharfes Messer am Niedergang
- Wie ein Notruf über UKW abgesetzt wird
Verhalten an Bord
- Sicher bewegen, Arme und Beine nicht außenbords, auf Seglern den Schwenkbereich des Großbaums meiden.
- Nie mit den Füßen abhalten – gequetschte Füße lassen sich an Bord kaum versorgen.
- Nach Anfälligkeit für Seekrankheit fragen – Seekranke fallen oft komplett aus und müssen ggf. beobachtet werden.
Typische Fehler auf See
- Selbstüberschätzung: Viele Skipper trauen sich und ihrem Boot mehr zu, als vernünftig ist. Zu weit und zu schnell zu segeln, ist ein klassischer Fehler.
- Blindes Vertrauen in Elektronik: Plotter und GPS können ausfallen. Wer die Papierkarte und den Kompass nicht beherrscht, hat dann keine Rückfallebene.
- Schnelle Panikreaktionen: Erst durchatmen, dann handeln. Notfälle vorher durchspielen hilft.
- Auskühlen: Wer friert, entscheidet schlechter. Warme Kleidung, Mütze und Ölzeug gehören deshalb zur Sicherheitsausrüstung.
- Manöver, die nicht zur Lage passen: Bei Wind von achtern lassen sich Segel kaum bergen oder Masten umlegen. Wer so etwas mitten im Fahrwasser versucht, riskiert Kollision und Verletzte.
Maßnahmen gegen das Überbordfallen
Rechtzeitig Westen und Lifebelts anlegen lassen, Einpickpunkte zeigen, MOB-Manöver regelmäßig üben – auch das An-Bord-Holen geschwächter Personen und mit schwächeren Crewmitgliedern. Nachts und bei schwerem Wetter ist der Lifebelt immer eingepickt.
Tidegewässer und Wattenmeer
Das Wattenmeer (bis 20 km breit, rund 450 km lang) ist einzigartig, aber anspruchsvoll:
- Ist das Boot zum Trockenfallen geeignet? Pallhölzer an Bord?
- Aktuelle Seekarten, Seehandbücher und Gezeitenatlas bzw. Tidekalender mitnehmen; bei Hafenmeistern und Ortskundigen informieren.
- Schutz- und Verbotsgebiete unbedingt beachten.
- Wird die Fahrt durchs Wasser ähnlich groß wie der Tidenstrom, leidet die Steuerfähigkeit. Beim rechtwinkligen Queren von Fahrwassern einen Vorhaltewinkel einrechnen.
- Priele verändern die Wassertiefen; dort herrschen starke Strömungen. Bei Sturm entsteht Grundsee – im Wellental kann man aufsetzen.
- Leitdämme und Buhnen können bei Hochwasser überspült sein; Strudel und Verwirbelungen zeigen Gefahren an.
- Seegatten (Durchfahrten zwischen den Inseln) nur mit großer Vorsicht befahren.
KI-generiertes Bild – keine reale AufnahmeBrandschutz
An Bord gehören tragbare Feuerlöscher (empfohlen: ABC-Pulver), außerdem:
- eine Pütz mit Wasser für Brände fester Stoffe – nie Flüssigkeits- oder Gasbrände mit Wasser löschen!
- eine Löschdecke bzw. Wolldecke (keine Kunstfaser) – auch für brennende Personen
- ein Feuerlöschdurchlass zum Motorraum
Vorbeugung vor dem Ablegen
- Crew kennt Notausstiege, Löscher und Vorgehen bei Fett- und Flüssigkeitsbränden; in der Koje wird nicht geraucht; verschließbare Behälter für Kippen.
- Koch- und Heizgeräte nach Herstellerangaben; Gasflaschen gesichert, Leitungen regelmäßig mit Schaum/Wasser auf Lecks prüfen.
- Beim Tanken: absolutes Rauchverbot, Koch-/Heizgeräte aus, keine Elektrik schalten, Öffnungen schließen, Überlauf sofort beseitigen, danach lüften; Reservekraftstoff in zugelassenen Kanistern.
- Vor dem Starten eines Innenborders Motorraum und Bilge lüften; nach dem Abstellen Kraftstoffleitung sperren.
- Prüffristen der Löscher beachten; Farben und Reiniger außerhalb des Bootsinneren lagern; Kabel, Klemmen und Batterien regelmäßig prüfen.
Seekarten und nautische Veröffentlichungen
- Aktuelle Seekarten, Seehandbücher und Revierführer sind unerlässlich. Das BSH bietet amtliche Einzelseekarten für Nord- und Ostsee im DIN-A1-Format an. Kleinere Änderungen trägt man selbst nach (Nachrichten für Seefahrer online), bei größeren Änderungen erscheint eine „Neue Ausgabe“.
- Seekarten und Seehandbücher des BSH sind aufeinander abgestimmt und gehören zusammen; jährlich erscheint der „Funkdienst für die Klein- und Sportschifffahrt“.
- Elektronische Seekarten sind für Sportboote nur ein zusätzliches Navigationsmittel – aktuelle Papierkarten müssen an Bord sein.
- Wer mit veralteten oder mangelhaften Karten einen Unfall (mit)verursacht, handelt grob fahrlässig. Die Folgen: Verlust des Führerscheins und Probleme mit der Versicherung.
KI-generiertes Bild – keine reale AufnahmeCheckliste für ein elektronisches Kartensystem
- Passt das Gerät zum Einbauort? Spritzwasserschutz nötig? Laufwerke/Speicherkarten nach dem Einbau noch erreichbar?
- Ist der Bildschirm bei Sonne, gedimmt bei Nacht und von der Seite gut lesbar?
- Genug Schnittstellen (mind. GPS, Kompass, Echolot)? Passende Stromversorgung? CE-Zeichen oder Steuerrad?
- Bei vorhandenem Laptop: robust genug, genug Leistung und Speicher, Rollball/Touchpad statt Maus, passendes Betriebssystem – vor der Fahrt testen.
Nachrichten und Bekanntmachungen für Seefahrer
- NfS (Nachrichten für Seefahrer): wöchentlich vom BSH; dienen vor allem zur Berichtigung von Seekarten, Seehandbüchern und Leuchtfeuerverzeichnis. Für Sportschiffer gibt es einen kostenlosen Online-Berichtigungsservice.
- BfS (Bekanntmachungen für Seefahrer): von den Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern; wichtige Gefahren und Änderungen auf deutschen Revieren, tagesaktuell auf ELWIS.
Wetter
Nie ohne Wetterbericht losfahren, das Wetter unterwegs ständig beobachten und mit den Vorhersagen vergleichen. Eine Funkanlage zum Empfang der Wetterberichte gehört an Bord. Quellen:
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Seeschifffahrtsberatung Hamburg – Seewetterberichte, individuelle Vorhersagen und Beratung (gebührenpflichtig), Veröffentlichung „Sturmwarnungen und Seewetterberichte für die Sport- und Küstenschifffahrt“
- SEEWIS: detaillierte Seewetterdaten für die Törnplanung am PC (gebührenpflichtig)
- DP07 Seefunk; Wetterfunksender Pinneberg (Kurzwelle 5905 und 6180 kHz)
- Telefonansagen des DWD für Wind- und Sturmwarnungen sowie Seegebiete
- Aushänge bei Hafenbehörden, Wetterstationen und Kurverwaltungen; Küstenfunkstellen, UKW-Sprechfunk, Internet
