Kenterung an einer Sandbank (Cornwall, 2020)
Ausgangslage: Eine vierköpfige Familie unternahm mit einem kleinen, offenen Motorboot einen Tagesausflug in einer Flussmündung. Der Bootseigner hatte wenig Erfahrung und kannte die Gefahr einer Sandbank in der Mündung nicht genau.
Unfall: Nahe Niedrigwasser wird das Wasser über der Sandbank sehr schnell flach, wodurch die Dünung abrupt zu steilen, brechenden Wellen aufsteilt. Ohne elektronisches Kartensystem navigierte der Eigner nach Augenmaß und bemerkte zu spät, wie nah er der Sandbank war. Eine große Welle kenterte das Boot. Zwei Familienmitglieder befanden sich im vorderen Kajütraum; eine Person konnte hinausschwimmen, eine 17-Jährige blieb gefangen. Ihre automatisch aufgeblasene Rettungsweste verhinderte, dass sie durch die Kajütöffnung nach unten und hinaus schwimmen konnte. Sie wurde von einem Hafenlotsen und der Seenotrettung geborgen, verstarb aber trotz aller Bemühungen im Krankenhaus.
Lehren
- Sandbänke und flache Mündungen meiden, besonders in Niedrigwassernähe. Auch kleine Wellen können dort abrupt zu Brechern aufsteilen.
- Elektronisches Kartensystem oder genaue Seekarte nutzen, um den eigenen Abstand zu Untiefen zu kennen. Nach Augenmaß zu navigieren reicht in solchen Gebieten nicht.
- Automatikwesten und geschlossene Räume: In der Kajüte oder unter Deck kann eine aufgeblasene Weste den Ausstieg blockieren. Wer dort ist, sollte das im Ernstfall bedenken.
- Alte Boote kritisch prüfen: Das Boot stammte aus den 1970er Jahren und hatte weniger Reserveauftrieb und keine Notluke, wie sie modernere Boote haben.
- Vor der Fahrt informieren: Häfen und Bootsclubs sollten Neulingen klare Hinweise zu gefährlichen Stellen im Revier geben.
