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📊 GMDSS-Seegebiete
Das Global Maritime Distress and Safety System (GMDSS) teilt die Weltmeere in vier Gebiete ein, die bestimmen, welche Ausrüstung Schiffe mitführen müssen:
A1-Gebiet
Bereich mit durchgehender Abdeckung durch mindestens eine VHF-Küstenfunkstelle mit Digital Selective Calling (DSC). Typischerweise bis zu 40 Seemeilen reichend. Erforderliche Ausrüstung: VHF Radiotelefonie
A2-Gebiet
Außerhalb A1, mit Abdeckung durch mindestens eine MF-Küstenfunkstelle mit DSC (2187,5 kHz). Bis ca. 180 Seemeilen tagsüber, 150 Seemeilen nachts. Erforderliche Ausrüstung: VHF und MF/HF Radiotelefonie
A3-Gebiet
Abdeckung durch Inmarsat-Satelliten zwischen ±70° Breite. Dies ist das größte Gebiet weltweit. Erforderliche Ausrüstung: Inmarsat-Terminal oder HF-DSC
A4-Gebiet
Polarregionen außerhalb A1, A2 und A3 (über 76° Nord/Süd). Erforderliche Ausrüstung: HF DSC-Radiotelefonie zusätzlich zu anderen Geräten
📡 Frequenzbänder & Kanäle
VHF (Very High Frequency)
Frequenzbereich: 156–163 MHz
| Kanal |
Frequenz (MHz) |
Funktion |
| 16 |
156,800 |
Internationaler Not- und Anrufkanal |
| 70 |
156,525 |
DSC (Digital Selective Calling) |
| 08 |
156,400 |
Schiff-zu-Schiff, Binnenschiff |
MF (Medium Frequency)
Frequenzbereich: 1605–4000 kHz
| Frequenz (kHz) |
Bandtyp |
Funktion |
| 2182 |
R/T (Telefonie) |
Internationaler Not- und Anrufkanal |
| 2187,5 |
DSC |
Digital Selective Calling |
HF (High Frequency)
Frequenzbereich: 4–28 MHz
| HF-Band |
DSC (kHz) |
Telefonie (kHz) |
| HF4 |
4207,5 |
4125 |
| HF6 |
6312 |
6215 |
| HF8 |
8414,5 |
8291 |
🚢 Einsatzarten der Küstenfunkstellen
VHF-Funk
Kurzstrecken bis 40 km, optimale Sichtverbindung, höchste Verfügbarkeit in Küstennähe
MF-Funk
Mittlere Reichweite bis 180 km, auch über Land verwendbar, für Fernkommunikation
HF-Funk
Interkontinentale Reichweite, Kurzwelle, auch in polaren Regionen
Inmarsat
Weltweit via Satellit, Telefonie und Datendienste, in A3 und A4-Gebieten
Iridium
Globale Satellitenflotte, Sprachkommunikation und Datenübertragung überall
EPIRB/SART
Notfallbaken, aktivieren Suchbereichs-Signale automatisch
🏥 Notfall-Kontaktmöglichkeiten zu Krankenhäusern
Medizinische Hilfe auf See:
- Radio Medical Advice (RMA): Über Küstenfunkstellen kann medizinischer Rat von Land-basiertem Fachpersonal eingeholt werden
- Telemedicine Services: Moderne Telemedzin-Systeme ermöglichen Video- und Bildübertragung für genaue Diagnosen
- Inmarsat Medical Services: Code 32 - Medizinischer Rat per Telefon/Telex; Code 38 - Unterstützung bei medizinischen Notfällen
- SAR-Koordination: Rettungshelikopter und -schiffe werden über GMDSS koordiniert und können hospitalisierte Patienten direkt zu Krankenhäusern evakuieren
- 24/7 Verfügbarkeit: Alle GMDSS-Küstenfunkstellen haben Zugang zu internationalen Rettungskoordinationszentren (MRCC/RCC)
Im Notfall: Notruf auf VHF Kanal 16 (156,800 MHz) oder MF 2182 kHz absetzen
📋 Allgemeine Informationen zu Küstenfunkstellen
Was ist ein Küstenfunkstelle?
Eine Küstenfunkstelle (auch "Coast Station" genannt) ist eine Rundfunkanlage an Land, die mit Schiffen kommuniziert. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten Sicherheitsinfrastruktur und wird von nationalen Behörden betrieben.
Rechtliche Grundlagen
Küstenfunkstellen werden durch internationale Verträge reguliert, insbesondere:
- SOLAS 1974: International Convention for Safety of Life at Sea (Internationale Konvention zum Schutz des menschlichen Lebens auf See)
- GMDSS: Global Maritime Distress and Safety System - obligatorisch seit 1999
- ITU Radio Regulations: Internationale Telekommunikationsunion definiert Standards und Frequenzen
- List IV: ITU-Liste mit ~2500 Küstenfunkstellen weltweit mit allen relevanten Daten
Betriebsstunden
Die meisten modernen Küstenfunkstellen in Industrie-Nationen arbeiten:
- 24/7: Ständig bemannt für Notfallkommunikation
- Auf Abruf: Bestimmte Stationen nur zu vereinbarten Zeiten erreichbar
- Automatisiert: Viele moderne Stationen sind vollautomatisch ohne ständiges Personal
Technische Entwicklung
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Technologie stark entwickelt:
- Viele traditionelle MF/HF Küstenfunkstellen haben geschlossen oder reduziert ihre Aktivitäten
- Fokus verlagert sich auf moderne Systeme: Inmarsat, Iridium und landsgestützte digitale Systeme
- GMDSS hat mehrsprachige und vollautomatische Notfall-Prozesse implementiert
- AIS (Automatic Identification System) ergänzt traditionelle Funkverkehr
MMSI-Nummern
Jede Küstenfunkstelle und jedes Schiff wird durch eine 9-stellige Maritime Mobile Service Identity (MMSI) gekennzeichnet. Format für Küstenfunkstellen: 00MID XXXX, wobei MID die Maritime Identification Designator (Landeskennung) ist.